Chariton der Bekenner

Gedächtnis: 28. September
Der ehrwürdige Chariton der Bekenner († um 350) stammte aus Ikonion in Kleinasien und gehört zu den bedeutendsten Begründern des frühen palästinensischen Mönchtums. Nachdem er während der Christenverfolgungen schwere Leiden für seinen Glauben erduldet hatte, zog er sich in die Wüste Palästinas zurück, wo er drei Klöster gründete und durch sein asketisches Leben, seine geistlichen Unterweisungen und seine Wundertaten zahlreiche Menschen zum monastischen Leben führte.
Vita
Chariton stammte aus der Landschaft Lykaonien in Kleinasien und lebte in der Stadt Ikonion, dem heutigen Konya. Schon früh zeichnete er sich durch seine Frömmigkeit, seine Tugenden und seine unerschütterliche Treue zum christlichen Glauben aus. Zur Zeit des römischen Kaisers Aurelian (270–275), als die Christen nach der kirchlichen Überlieferung zur Darbringung von Opfern vor den heidnischen Götzenbildern gezwungen wurden, wurde auch Chariton ergriffen und vor den Statthalter von Ikonion geführt. Da er unter den Christen der Stadt wegen seines vorbildlichen Lebens besonderes Ansehen genoss, hoffte der Statthalter, durch seine Unterwerfung auch andere Gläubige zum Abfall vom christlichen Glauben bewegen zu können.
Als Chariton aufgefordert wurde, den heidnischen Göttern zu opfern, bekannte er freimütig seinen Glauben an den einen wahren Gott, den Schöpfer aller Dinge und Erlöser der Welt. Die Götzenbilder bezeichnete er als leblose Werke menschlicher Hände, die weder hören noch sehen noch ihren Verehrern helfen könnten. Auf die Drohungen des Statthalters antwortete er, dass keine Qual ihn von Christus trennen könne. Dabei erinnerte er an die heilige Erstmärtyrerin Thekla, die ebenfalls aus Ikonion stammte und durch die Verkündigung des heiligen Apostels Paulus zum Glauben gefunden hatte. Wie sie wollte auch Chariton lieber für Christus leiden, als seinen Glauben verleugnen. Mit den Worten des Apostels Paulus bekannte er, dass weder Bedrängnis noch Verfolgung, Hunger oder Schwert ihn von der Liebe Gottes scheiden könnten (Röm 8,35).
Über diese Standhaftigkeit erzürnt, befahl der Statthalter, Chariton zu entkleiden, auf den Boden zu legen und mit Riemen grausam zu schlagen. Der Heilige ertrug die Misshandlungen mit großer Geduld und erklärte, dass er lieber tausendmal für seinen Erlöser sterben wolle, als auch nur einmal den Götzen zu dienen. Die Schläge waren so schwer, dass sein ganzer Leib mit Wunden bedeckt wurde. Schließlich ließ man ihn, kaum noch lebend, in den Kerker werfen. Doch der Herr stärkte seinen treuen Diener und heilte nach der Überlieferung auf wunderbare Weise seine Wunden.
Als Chariton erneut vor Gericht geführt wurde, zeigte er dieselbe Unerschrockenheit wie zuvor. Daraufhin befahl der Statthalter, seinen Leib mit brennenden Fackeln zu versengen. Auch diese Qualen ertrug der Heilige, ohne Christus zu verleugnen, und wurde abermals in den Kerker geworfen. Nach dem Tod Kaiser Aurelians im Jahre 275 und dem Ende der Verfolgung wurde Chariton aus seiner Gefangenschaft entlassen. Obwohl er bereit gewesen war, sein Leben als Märtyrer hinzugeben, hatte die göttliche Vorsehung ihm einen anderen Weg bestimmt. Er sollte durch sein weiteres Leben zahlreichen Menschen zum geistlichen Vater und Führer auf dem Weg des Heils werden.
Nachdem er seine Freiheit wiedererlangt hatte, entschloss sich Chariton, der Welt zu entsagen und sein Leben ganz Gott zu weihen. Die Leiden Christi stets vor Augen, machte er sich auf den Weg nach Jerusalem, um die heiligen Stätten zu verehren, an denen der Erlöser gelitten hatte, gekreuzigt worden und auferstanden war. Auf seiner Reise geriet er jedoch in die Hände von Räubern, die ihn gefangen nahmen und in ihre Höhle verschleppten. Da sie bei ihm keine Reichtümer fanden, ließen sie ihn gefesselt zurück, während sie auszogen, um weitere Reisende zu überfallen.
Auch in dieser Bedrängnis verlor Chariton nicht sein Vertrauen auf Gott. Er betete und bereitete sich darauf vor, alles zu ertragen, was der Herr zulassen würde. Während die Räuber abwesend waren, kroch nach der Überlieferung eine Schlange in die Höhle, trank aus einem dort aufbewahrten Weingefäß und ließ ihr Gift in den Wein gelangen. Als die Räuber zurückkehrten und von dem vergifteten Wein tranken, starben sie. Chariton wurde auf wunderbare Weise von seinen Fesseln befreit und fand in der Höhle große Mengen Gold und andere Schätze, welche die Räuber durch ihre Überfälle zusammengetragen hatten.
Der Heilige betrachtete diese Reichtümer nicht als persönlichen Besitz, sondern verwendete sie zur Ehre Gottes und zum Wohl seiner Mitmenschen. Einen großen Teil verteilte er an Arme, Kirchen und Klöster. Mit dem übrigen Vermögen gründete er an jenem Ort eine monastische Gemeinschaft. Die ehemalige Räuberhöhle verwandelte er in eine Kirche, und um sie herum entstand das Kloster Pharan, auch Fara genannt, nordöstlich von Jerusalem. Damit legte Chariton den Grundstein zu einer der ältesten monastischen Gemeinschaften Palästinas.
Schon bald verbreitete sich der Ruf seines heiligen Lebens. Zahlreiche Männer kamen zu ihm, um unter seiner Anleitung ein Leben des Gebetes, der Buße und der Entsagung zu führen. Chariton nahm sie auf, unterwies sie in den monastischen Tugenden und gab der Gemeinschaft eine feste Ordnung. Er selbst war ihnen durch sein Leben ein Vorbild. Er liebte das Fasten und die Enthaltsamkeit, betrachtete körperliche Arbeit als geistliche Übung und bewahrte die freiwillige Armut als einen kostbaren Schatz. Zugleich war er barmherzig, gastfreundlich, sanftmütig und voller brüderlicher Liebe.
Für seine Mönche bestimmte er eine strenge Lebensordnung. Sie sollten täglich nur einmal, am Abend, eine einfache Mahlzeit aus Brot und Wasser zu sich nehmen, damit der Leib nicht durch übermäßiges Essen beschwert und der Geist nicht vom Gebet abgelenkt werde. Die Nachtstunden waren dem Gebet gewidmet, während die übrige Zeit durch Handarbeit und geistliche Übungen ausgefüllt werden sollte. Besonders warnte Chariton vor Müßiggang und unnützen Gesprächen, da diese den Geist zerstreuten und der Versuchung Raum gäben. Er ermahnte die Brüder, in ihren Zellen zu verweilen, das Schweigen zu lieben und ihre Gedanken beständig auf Gott zu richten.
Vor allem aber lehrte er sie, ein reines Gewissen zu bewahren, den Gehorsam als Hilfe auf dem Weg des Heils anzunehmen und Demut, Geduld, Liebe und Sanftmut als wahre geistliche Reichtümer zu erwerben. Nicht äußerliche Entbehrungen allein, sondern die Reinigung des Herzens und die Vereinigung mit Gott sollten das Ziel ihres monastischen Lebens sein.
Nachdem Chariton die Gemeinschaft geordnet und einen geeigneten Mönch zu ihrem Vorsteher bestimmt hatte, zog er sich in die Wüste zurück. Er sehnte sich nach vollkommener Stille und ungestörtem Gebet. Denn immer mehr Menschen suchten ihn auf, um seinen Segen zu empfangen oder durch seine Gebete Heilung von Krankheiten und Befreiung von dämonischen Bedrängnissen zu erlangen. Der Heilige wollte jedoch menschlichem Ruhm entfliehen und sein Leben in der Verborgenheit vor Gott führen.
Nach längerem Wandern fand er in der Gegend von Jericho eine abgelegene Höhle, in der er sich niederließ. Dort verbrachte er seine Tage und Nächte im Gebet, ernährte sich von den Pflanzen der Umgebung und nährte seine Seele durch die Betrachtung der Heiligen Schrift. Seine Tränen und sein beständiges Gebet waren Ausdruck seiner tiefen Liebe zu Gott. Doch auch dieser Ort blieb nicht lange verborgen. Einige seiner geistlichen Kinder aus Pharan machten sich auf die Suche nach ihrem Vater und fanden ihn nach mühevoller Wanderung in der Wüste.
Bald kamen weitere Mönche und Gläubige hinzu, die unter seiner Leitung leben wollten. So entstand eine zweite monastische Gemeinschaft, die als Kloster Douka bekannt wurde. Chariton gab auch dieser Gemeinschaft dieselbe geistliche Ordnung wie seiner ersten Gründung. Unter seiner Anleitung wuchs die Zahl der Mönche, die in der Wüste ein Leben der Enthaltsamkeit, des Gebetes und der brüderlichen Liebe führten.
Doch auch hier blieb der Heilige nicht dauerhaft. Nachdem er die Gemeinschaft gefestigt hatte, zog er sich erneut in die entlegenen Gegenden der Wüste zurück. Er durchwanderte Täler, Schluchten und felsige Höhen und suchte die Einsamkeit, um sich ganz dem Gebet und der Betrachtung Gottes hinzugeben. Dabei nahm er sich den heiligen Propheten Elias und den heiligen Johannes den Vorläufer zum Vorbild, die ebenfalls in der Wüste gelebt hatten.
Nach längerer Zeit wurde Chariton abermals von Mönchen entdeckt, die ihn baten, bei ihm bleiben und seine asketische Lebensweise nachahmen zu dürfen. Da er in ihrem Wunsch den Willen Gottes erkannte, nahm er sie auf und gründete eine dritte Gemeinschaft in der Wüste von Tekoa. Diese wurde als Sukka beziehungsweise Alte Lavra bekannt. Auch hier unterwies er die Brüder in den monastischen Tugenden und führte sie zu einem Leben der beständigen Gotteserinnerung.
Nachdem die dritte Gemeinschaft eingerichtet war, zog sich Chariton auf eine schwer zugängliche Felshöhe zurück. Dort bewohnte er eine kleine Höhle, die nur über eine hohe Leiter erreicht werden konnte. In dieser Abgeschiedenheit lebte er gleichsam zwischen Himmel und Erde, fern von den Sorgen der Welt und ganz dem Gebet hingegeben. Dennoch blieb er mit seinen geistlichen Kindern verbunden. Aus allen drei von ihm gegründeten Klöstern kamen Mönche zu ihm, um seinen Rat und Segen zu empfangen. Wie ein guter Hirte sorgte er weiterhin für die ihm anvertrauten Seelen und betete unablässig für ihr Heil.
Der Ort seiner Einsiedelei war wasserlos, und die Beschaffung von Wasser bereitete große Schwierigkeiten. Da Chariton bereits hochbetagt und durch seine früheren Leiden und jahrelangen asketischen Mühen körperlich geschwächt war, wollte er seinen Brüdern nicht zumuten, ihm Wasser aus weiter Entfernung herbeizutragen. Deshalb wandte er sich im Gebet an Gott und bat ihn, wie einst für die Israeliten in der Wüste Wasser aus dem Felsen hervorzubringen. Nach der Überlieferung erhörte der Herr sein Gebet, und aus dem trockenen Gestein entsprang eine Quelle. Dieses Wunder wurde zu einem weiteren Zeugnis der Gnade Gottes, die in seinem treuen Diener wirkte.
Viele Jahre verbrachte der ehrwürdige Chariton in strenger Askese. Durch Fasten, Nachtwachen, Gebet und beständige Selbstverleugnung bemühte er sich, seinen Leib dem Geist unterzuordnen und sein ganzes Leben Christus darzubringen. Obwohl er äußerlich durch Alter und Entbehrungen geschwächt war, blieb sein Geist voller Kraft und seine Liebe zu Gott unvermindert.
Als die Stunde seines Hinscheidens näher rückte, wurde ihm nach der Überlieferung von Gott sein bevorstehendes Lebensende offenbart. Daraufhin ließ er die Vorsteher und Brüder seiner drei Klöster zu sich rufen und teilte ihnen mit, dass die Zeit gekommen sei, diese Welt zu verlassen und vor das Angesicht des Herrn zu treten. Er ermahnte sie, über ihre Seelen zu wachen, den Versuchungen des Widersachers zu widerstehen und bis zum Ende auf dem Weg der Tugend auszuharren.
Als die Brüder hörten, dass ihr geistlicher Vater sie verlassen werde, begannen sie zu weinen und beklagten den Verlust ihres Lehrers und Hirten. Chariton aber tröstete sie und erinnerte sie an die Verheißung Christi, bei den Seinen zu bleiben bis an das Ende der Welt. Er versicherte ihnen, dass er auch nach seinem Hinscheiden für sie beten werde, damit sie am Jüngsten Gericht zu den Gesegneten des Herrn gezählt und gemeinsam in sein himmlisches Reich aufgenommen würden.
Die Mönche fragten ihn schließlich, wo sein Leib nach seinem Tod beigesetzt werden solle. Zunächst antwortete er in großer Demut, sie könnten seinen Leib begraben, wo immer sie wollten, denn die Erde und alles, was sie erfüllt, gehöre dem Herrn. Da jedoch jede der drei Gemeinschaften seine heiligen Reliquien bei sich haben wollte, baten sie ihn, selbst einen Ort zu bestimmen, damit nach seinem Hinscheiden kein Streit zwischen ihnen entstehe.
Daraufhin verfügte Chariton, dass sein Leib in seinem ersten Kloster Pharan beigesetzt werden solle, an jenem Ort, an dem er einst aus der Gewalt der Räuber errettet worden war und seine erste monastische Gemeinschaft gegründet hatte. Die Brüder begleiteten ihn dorthin, wo er ihnen noch einmal zahlreiche Unterweisungen über das vollkommene monastische Leben gab.
Nachdem er seine geistlichen Kinder gesegnet und ihnen den Frieden Christi zugesprochen hatte, legte sich der ehrwürdige Chariton nieder und übergab seine Seele in die Hände Gottes. Nach der Überlieferung entschlief er friedlich, ohne zuvor von einer körperlichen Krankheit heimgesucht worden zu sein. Sein Hinscheiden wird gewöhnlich in die Mitte des 4. Jahrhunderts datiert.
Die Mönche seiner drei Klöster und zahlreiche Wüstenväter trauerten um ihren geistlichen Vater, der ihnen durch sein Leben ein leuchtendes Vorbild des Glaubens, der Geduld und der Liebe zu Christus gewesen war. Sein Leib wurde ehrfürchtig im Kloster Pharan bestattet. Durch seine Klostergründungen und seine geistlichen Unterweisungen wurde der ehrwürdige Chariton zu einem der Wegbereiter des palästinensischen Mönchtums. Sein Andenken blieb in der Kirche lebendig, und die von ihm begründete monastische Tradition wirkte über viele Generationen fort.
Quellen: Justin Popović, Žitija Svetih; Nikolaj Velimirović, Ohridski Prolog.
Gebete
Troparion (8. Ton)
Durch die Bäche deiner Tränen brachtest du die dürre Wüste zum Blühen; durch dein tiefes Seufzen brachten deine Leiden hundertfältige Frucht; durch deine Wunder wurdest du eine leuchtende Fackel für das All. Seliger Vater Chariton, bitte Christus Gott, unsere Seelen zu erretten.
Kondakion (2. Ton)
An der Enthaltsamkeit hast du Wohlgefallen gefunden und die Begierden deines Fleisches gezügelt, o Gottweiser. Du nahmst zu im Glauben und erblühtest wie der Baum des Lebens inmitten des Paradieses, o allseliger und heiliger Chariton.